Kilimandscharo - Grenzen ziehen - von Zeit, Geld, Angst
Für ein Projekt, wie die Besteigung des Kilimandscharo, ist es wichtig, sich über Grenzen und Möglichkeiten im Klaren zu dein. Ein Guide.
Der Moment, in dem es real wird
Der Plan ist gefasst: den Kilimandscharo besteigen.
Die ersten Recherchen und die ersten Begrifflichkeiten sind auch geklärt.
Irgendwann da kommt der Punkt, an dem ein Gedanke nicht mehr nur dir gehört.
Ich habe meine Familie eingeweiht.
Nicht mit Pathos, nicht mit großen Worten – eher vorsichtig.
Ich spiele mit dem Gedanken, den Kilimanjaro zu besteigen.
Die Reaktionen waren ehrlich.
Keine Panik, aber spürbare Sorgen.
Fragen nach Risiko, Gesundheit, Sinn.
Und während ich erklärte, merkte ich:
Ich erkläre das nicht nur ihnen – ich erkläre es mir selbst.
Zum ersten Mal habe ich meine eigenen Ängste klar benannt:
- die Höhe
- das Scheitern
- die Frage, ob ich mir selbst etwas vormache
Ich habe angefangen, Limits aufzuschreiben. Schwarz auf weiß.
- Zeit: Wie viel Vorbereitung ist realistisch möglich?
- Geld: Was fühlt sich verantwortbar an?
- Energie: Was kann ich neben Alltag, Arbeit, Familie wirklich leisten?
Ich habe Bücher bestellt.
Berichte gelesen, die nicht heroisch waren, sondern ehrlich.
Videos gesehen von Menschen, die umgedreht sind – und genau deshalb die richtige Entscheidung getroffen haben.
Ab diesem Tag war klar:
Das hier ist kein Traum mehr.
Es ist ein Projekt mit Konsequenzen.
Ratgeber: Bevor du planst – kläre diese vier Dinge für dich
Wenn du selbst mit dem Gedanken spielst, einen hohen Berg wie den Kilimanjaro zu besteigen, dann fang nicht bei Routen oder Ausrüstung an.
Fang hier an.
1. Sprich früh mit den Menschen, die dich begleiten – auch wenn sie nicht mitgehen
Familie, Partner:innen, enge Freunde:
Sie sind Teil der Reise, auch wenn sie nicht am Berg stehen.
Warum das wichtig ist:
- Sorgen kommen später sowieso – bei Dir und Deinen Begleitern – besser früh und offen
- Unterstützung entsteht durch Transparenz, nicht durch Überrumpelung
- Manche Zweifel werden erst im Gespräch sichtbar
Faustregel:
Wenn du es nicht erklären kannst, hast du es selbst noch nicht verstanden.
2. Unterscheide klar zwischen Angst und Respekt
Angst ist diffus.
Respekt ist konkret.
Schreib dir auf:
- Wovor habe ich Angst – genau?
- Was davon kann ich beeinflussen?
- Was davon akzeptiere ich als Risiko?
Beispiel:
- „Ich habe Angst vor der Höhe“ → respektvoll
- „Ich ignoriere Symptome, um den Gipfel zu erreichen“ → gefährlich
Wichtig:
Respekt schützt dich.
Verdrängung bringt dich in Situationen, aus denen du nicht mehr sauber rauskommst.
3. Definiere dein persönliches „Warum“ – ohne Instagram
Nicht:
- Weil andere es geschafft haben
- Weil es beeindruckend klingt
- Weil die Uhr oder App es sagt
Sondern:
- Was will ich für mich daraus mitnehmen?
- Was ist Erfolg – auch ohne Gipfel?
- Wäre ein Abbruch für mich ein Scheitern oder eine Entscheidung?
Praxis-Tipp:
Formuliere dein Ziel so, dass es nicht am Gipfel hängt.
4. Setze dir realistische Rahmenbedingungen
Bevor du Anbieter vergleichst, kläre:
- maximales Budget
- maximal mögliche Abwesenheit
- Vorbereitungszeit (Training, Organisation, mental)
Warum das entscheidend ist:
- Viele Entscheidungen fallen später leichter
- Marketing verliert an Macht
- Du vergleichst Angebote mit deinem Maßstab, nicht mit deren Versprechen
5. Konsumiere nicht nur Erfolgsgeschichten
Lies auch:
- Abbruchberichte
- Zweifel
- medizinische Zwischenfälle
- ehrliche „würde ich so nicht wieder machen“-Stories
Diese Berichte sind kein Pessimismus.
Sie sind Orientierung.
Mein wichtigstes Learning aus diesen Tagen
- Der Kilimanjaro wird nicht schwer, weil er hoch ist.
- Er wird schwer, weil man sich vorher und währendessen ehrlich begegnen muss.
Und genau das habe ich an diesen Tagen zum ersten Mal getan.