Kilimanjaro – Tag 1: Durch den Regenwald nach Mti Mkubwa

Nach Monaten der Vorbereitung stehe ich endlich auf der Lemosho Route. Der erste Tag führt durch dichten Bergregenwald zum Mti Mkubwa Camp – noch vergleichsweise kurz, aber fast durchgehend bergauf und mit den ersten Überraschungen bei der Leihausrüstung.

Kilimanjaro – Tag 1: Durch den Regenwald nach Mti Mkubwa
Los geht's... das Lemosho Gate

Überblick

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Flyover auf Basis des GPS-Track

  • Datum: 19. Juli 2026
  • Route: Lemosho Gate → Mti Mkubwa Camp
  • Strecke: 5,13 km
  • Höhenmeter: ↑ 496 Hm · ↓ 102 Hm
  • Aufzeichnungsdauer: 2:18 h
  • Garmin-Energieverbrauch: 757 kcal
  • Höhe:
    • Start 2.401 m
    • höchster Punkt 2.810 m
    • Ziel Mti Mkubwa: ca. 2.800 m
  • Steigung bergauf: Ø 11,9 % / max. 28,7 % über 50-m-Fenster
  • Gefälle bergab: Ø 6,7 % / max. 25,3 % über 50-m-Fenster
  • Herzfrequenz: Ø 120 / max. 145 bpm
  • Temperatur: 16–19 °C
  • Pulse Ox / SpO₂: 88 % bei 2.807 m (Messung in der folgenden Ruhe-/Nachtphase)

Meine Wegbegleiter für die nächsten acht Tage

Neben dem Berg selbst lerne ich heute auch die Menschen kennen, mit denen ich die kommenden acht Tage verbringen werde. Wir sind eine kleine Gruppe aus vier Wanderern, dazu begleiten uns zunächst vor allem unsere beiden Guides. Noch wissen wir nicht, wie eng man sich in so wenigen Tagen kennenlernen kann, wenn man gemeinsam läuft, isst, friert, sich gegenseitig beobachtet und jeden Tag ein Stück weiter nach oben geht.

Unsere kleine Gruppe: Michi, Andrea, Angelika und ich

Michi, ein junger sportlicher Typ, bringt viel Energie in's Team und wir kommen ziemlich schnell miteinander ins Gespräch. Schon auf den ersten Kilometern merkt man, dass wir gut miteinander klarkommen und sich ganz selbstverständlich ein unkomplizierter Austausch entwickelt. Mit dabei ist seine Ma Andrea, mit der ich mich ebenfalls von Anfang an sehr gut verstehe. Die beiden sind als Mutter und Sohn natürlich ein eingespieltes Team, gleichzeitig habe ich überhaupt nicht das Gefühl, dass sie sich als Zweiergespann abschotten – im Gegenteil: Sie gehen offen in unsere kleine Reisegruppe hinein. Schon jetzt fühlt es sich so an, als könnten wir uns auf dem Weg gut gegenseitig stützen.

Unsere vierte Mitwanderin ist Angelika. Sie bringt bereits eigene Bergerfahrung mit und kennt den Kilimanjaro nicht nur aus Reiseprospekten, sondern hat ihn selbst bereits besucht, wenn auch nicht gefinished. Dieses Mal hat sie noch den Mt. Meru zur Akklimatisierung zuvor erfolgreich abgeschlossen. Für uns drei anderen ist die Ausgangslage etwas anders, und genau das macht die Gruppe interessant: unterschiedliche Erfahrungen, unterschiedliche Erwartungen und vermutlich auch unterschiedliche Arten, mit den kommenden Tagen und der Höhe umzugehen. Noch stehen wir ganz am Anfang, und im Moment bin ich vor allem gespannt darauf, wie wir als Gruppe zusammenfinden.

Dazu kommen unsere beiden Guides Filbert und Godfrid. Filbert ist der sehr erfahrene Guide unseres Teams und hat den Kilimanjaro bereits unzählige Male (über 300Mal) bestiegen. Bei ihm merkt man schnell, dass dieser Berg für ihn kein unbekanntes Abenteuer, sondern vertrautes Terrain ist. Godfrid unterstützt ihn als Assistant Guide und spricht sogar etwas Deutsch, was für unsere Gruppe zusätzlich hilfreich ist. Beide begegnen uns direkt offen und freundlich, und gerade bei einer Tour, bei der man sich in den nächsten Tagen zunehmend auf Erfahrung und Einschätzung der Guides verlassen muss, gibt mir das am Start ein gutes Gefühl.

Überhaupt ist mein erster Eindruck von der ganzen Gruppe schon jetzt unglaublich positiv. Die anderen Mitwanderer sind nett, die Guides ebenso, und ich hoffe, dass genau dieses Gefühl durch die nächsten Tage trägt. Noch ist niemand erschöpft, niemand hat ernsthafte Probleme mit der Höhe, und vor uns liegt praktisch die komplette Route.

Im Moment sind wir einfach vier Menschen plus Guides und Team, die gemeinsam loslaufen.

In ein paar Tagen wird sich das sehr viel intensiver anfühlen.

Strecke und Landschaft

Nach all den Monaten, in denen der Kilimanjaro vor allem aus Trainingsplänen, Packlisten, Höhenmetern und Ausrüstungsentscheidungen besteht, wird das Projekt heute plötzlich konkret.

Die Anfahrt ist lang und holperig. Strecken sind in Tansania mit den örtlichen Straßenverhältnissen länger und beschwerlicher, als ich es mir hätte vorstellen können.

Aber nach 2 Stunden sind wir am Gate. Jetzt heißt es Lunchbox futtern und warten auf das Ticket, um in den Nationalpark zu dürfen.

Und dann ist es so weit: Ich stehe auf der westlichen Seite des Berges am Einstieg der Lemosho Route und laufe tatsächlich los. Die erste Etappe ist mit gut fünf Kilometern und etwas mehr als zwei Stunden Aufzeichnungszeit vergleichsweise kurz, aber die knapp 500 offiziell von Garmin summierten Höhenmeter verteilen sich fast vollständig auf einen dauerhaften Anstieg. Die durchschnittliche Steigung der ansteigenden 50-Meter-Abschnitte liegt bei knapp zwölf Prozent, einzelne Passagen erreichen fast 29 Prozent. Für einen Einstieg ist das also weniger Spaziergang, als die reine Distanz vermuten lässt.

Affen wohnen in den Bäumen.

Die Umgebung ist noch das komplette Gegenteil von dem, was ich wenige Tage später auf dem Gipfel erleben werde. Der Weg führt durch feuchten, dichten Bergregenwald, der den Wind fast vollständig abschirmt.

Überall ist Grün, der Boden ist weich und stellenweise feucht, und der Blick reicht meist nur bis zur nächsten Biegung zwischen Bäumen und Unterholz.

Keine Menschen, außer uns und verschlungene Wege

Gerade dieses Gefühl, zunächst in einem beinahe tropischen Wald zu beginnen, macht die Lemosho Route so besonders: Innerhalb weniger Tage werde ich mehrere klar voneinander getrennte Vegetationszonen durchlaufen, bis oberhalb von 4.000 Metern fast nichts Grünes mehr übrig ist.

Lianen, Moose und Nebel... wirklich mystisch

Der Track startet bei rund 2.400 Metern und endet knapp unter 2.800 Metern.

Damit bin ich am Abend bereits höher als viele bekannte Alpengipfel, obwohl sich der Tag noch wie der Einstieg in die Tour anfühlt.

Höhenprofil Tag 1

Ziel: Mti Mkubwa Camp

Mti Mkubwa bedeutet sinngemäß „großer Baum“, und der Name passt zur Lage mitten im Wald. Das Camp ist kein Hüttenlager, sondern eine Zeltfläche im geschützten Regenwald. Es gibt eine Rangerhütte und einfache, wahrlich nicht angenehme Latrinen. Schon jetzt wird uns klar, das Toilettenzelt ist eine unglaublich wertvolle Investition. Geschlafen wird ausschließlich in Zelten. Wasser ist in dieser Höhenlage noch vergleichsweise gut verfügbar und wird von der Crew aus einer Quelle direkt im Camp geholt und für uns aufbereitet.

Geschafft! Das Big-Tree-Camp. Alle sind gut drauf.

Als wir eintreffen, ist bereits alles aufgebaut. Genau hier wird mir zum ersten Mal bewusst, wie anders diese Form des Trekkings gegenüber meinen üblichen langen Wanderungen ist: Ich komme an, und mein Zelt steht schon. Die Crew ist längst da, obwohl wir sie unterwegs immer wieder mit deutlich mehr Gepäck an uns vorbeiziehen sehen.

Die kleinen Zelte werden die kommenden Tage unser Zuhaus sein

Das Abendessen ist gut. Es gibt zunächst Suppe und Tee, danach Fisch mit Gemüse. Von der Hauptspeise esse ich kaum noch etwas, weil ich schon nach der Suppe satt bin. Das ist noch kein Höhenproblem, sondern schlicht mein Appetit an diesem Abend.

Mein Recap zur Strecke

Die erste Etappe fühlt sich insgesamt positiv an. Die knapp zweieinhalb Stunden sind überschaubar, aber das durchgehende Bergauf sorgt dafür, dass der Tag trotzdem als echte Wanderung ankommt. Die Mitwanderer sind nett, ebenso die Guides, und ich habe nach dem ersten Tag das Gefühl, dass die Gruppe gut funktionieren kann. Noch überwiegen Neugier und Vorfreude deutlich gegenüber Sorgen über die Höhe.

Gleichzeitig sehe ich zum ersten Mal, wie wichtig „Pole Pole“ werden wird. Schon auf dieser niedrigen Etappe bringt es wenig, unnötig schnell zu laufen. Der Berg wird in den nächsten Tagen nicht kürzer, wenn ich heute ein paar Minuten spare.

Gesundheitsauswertung

Körperlich geht es mir am Abend gut. Die Atmung funktioniert ohne auffällige Probleme. Mein Kopf fühlt sich etwas seltsam an, allerdings kenne ich dieses Gefühl bereits aus den Tagen vor der Tour, weshalb ich es nicht der Höhe zuschreibe, sondern einfach meinem üblichen Kopfweh. Während der Aktivität liegt mein Puls im Mittel bei 120 und maximal bei 145 Schlägen pro Minute.

Interessanter ist die Pulse-Ox-Reihe. Im Flachland liegen meine Garmin-Werte vor der Reise meistens zwischen 94 und 97 Prozent. In der folgenden Ruhe- beziehungsweise Nachtphase auf etwa 2.807 Metern zeigt Garmin 88 Prozent. Eine Uhr ist kein klinisches Pulsoximeter, aber als konsistente Messreihe über mehrere Tage ist der Wert für mich trotzdem interessant. Schon nach dem ersten deutlichen Höhengewinn sieht man, dass mein Körper auf die dünnere Luft reagiert.

Gesundheitsstatistiken Tag 1

Ausrüstung

Am ersten Tag trage ich an den Beinen meine Wandersocken und Wanderboots, dazu Lauf-Leggings mit einer kurzen Wanderhose darüber. Am Oberkörper reicht im geschützten Regenwald zunächst ein T-Shirt; auf dem Kopf habe ich meinen Sonnenhut und als Brille die günstige Kategorie-4-Sonnenbrille. Die Kombination funktioniert für die Temperaturen gut und schützt gleichzeitig einen großen Teil der Beine vor Sonne und Kratzern.

Im Camp kommt allerdings die erste unangenehme Überraschung. Der gemietete Schlafsack hat einen kaputten Hauptreißverschluss. Zusätzlich ist der kleinere Reißverschluss, der eigentlich genau dafür gedacht ist, nachts schnell aus dem Schlafsack zu kommen, vollständig zugenäht. Die Porter beziehungsweise das Camp-Team reparieren den Hauptreißverschluss mit den vorhandenen Mitteln, und ich hoffe, dass das hält.

Dann fällt auf, dass auch die gemietete Isomatte ein Loch hat. Auch sie wird zunächst geflickt. Gerade weil die kommenden Nächte deutlich unter null Grad gehen können, sind Schlafsack und Isomatte für mich keine Komfortdetails. Die Crew reagiert großartig und versucht sofort, die Probleme zu lösen.

Für morgen nehme ich außerdem den Sonnenschutz ernster. Schon auf dieser Höhe brennt die Sonne stärker, als man es bei den relativ angenehmen Temperaturen wahrnimmt. Das wird schneller wichtig, als mir lieb ist.

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