Kilimanjaro – Tag 4: Über den Lava Tower ins Barranco Camp

Der wichtigste Akklimatisationstag der Route führt mich auf 4.651 Meter am Lava Tower und anschließend wieder fast 700 Meter hinunter. Landschaftlich ist es einer der abwechslungsreichsten Tage, körperlich beginnen am höchsten Punkt die ersten deutlichen Kopfschmerzen.

Kilimanjaro – Tag 4: Über den Lava Tower ins Barranco Camp

Überblick

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  • Datum: 22. Juli 2026
  • Route: Shira 2 → Lava Tower → Barranco Camp
  • Strecke: 12,58 km
  • Höhenmeter: ↑ 865 Hm · ↓ 775 Hm
  • Aufzeichnungsdauer: 8:47 h
  • Garmin-Energieverbrauch: 2.158 kcal
  • Höhe:
    • Start 3.895 m
    • höchster Punkt 4.651 m
    • Ziel Barranco Camp: ca. 3.970 m
  • Steigung bergauf: Ø 10,6 % / max. 25,7 % über 50-m-Fenster
  • Gefälle bergab: Ø 13,1 % / max. 33,3 % über 50-m-Fenster
  • Herzfrequenz: Ø 114 / max. 150 bpm
  • Temperatur am Rucksack-Sensor: 0–19 °C
  • Pulse Ox / SpO₂: 84 % bei 3.958 m

Strecke und Landschaft

Heute zeigt sich sehr gut, warum eine reine Angabe von Start- und Zielhöhe eine Etappe völlig falsch darstellen kann. Ich starte am Shira 2 Camp auf knapp 3.900 Metern und erreiche am Abend das Barranco Camp ebenfalls knapp unter beziehungsweise um 4.000 Meter. Netto passiert also fast nichts. Dazwischen liegen aber 12,58 Kilometer, 865 Höhenmeter Aufstieg, 775 Höhenmeter Abstieg und mit 4.651 Metern mein bisher höchster Punkt.

Der erste Teil führt aus dem oberen Moorland immer tiefer in die alpine beziehungsweise halbwüstenartige Zone hinein.

Am Start ist es noch grün

Die Vegetation wird mit jedem Höhenmeter dünner, bis rund um den Lava Tower fast nur noch vulkanischer Fels, Geröll und Staub übrig sind. Gerade dieser Übergang ist spektakulär, weil man die Vegetationsgrenze nicht abstrakt auf einer Karte sieht, sondern innerhalb weniger Stunden buchstäblich hindurchläuft.

Der Aufstieg ist lang und bewusst langsam. Teilweise fühlt sich das Tempo fast unerträglich langsam an, aber genau das funktioniert: Solange wir konsequent „Pole Pole“ gehen, machen Atmung und Beine zunächst keine größeren Probleme.

Nach dem Lava Tower dreht sich der Charakter der Etappe. Der Abstieg ist steil, technisch zwar kein Kletterproblem, aber mit durchschnittlich gut 13 Prozent Gefälle in den abfallenden 50-Meter-Fenstern und Spitzen von über 33 Prozent deutlich anspruchsvoller, als „es geht ja nur bergab“ vermuten lässt. Trekkingstöcke sind hier für mich keine Dekoration mehr, sondern helfen spürbar bei Stabilität und Belastungsverteilung.

Höhenprofil Tag 4

Beim Abstieg kehrt die Vegetation zurück. Wir steigen hinab in Wolkenfelder und grün bewachsene Gelände.

Rund um das Barranco Valley wachsen wieder markante afroalpine Pflanzen, darunter die auffälligen riesigen Senecien. Nach Stunden in grauer Steinwüste wirkt die zunehmende Vegetation fast überraschend üppig.

Zwischenstation: Lava Tower · Ziel: Barranco Camp

Der Lava Tower ist weniger ein klassisches Übernachtungscamp für unsere Variante als eine wichtige Zwischenstation. Er liegt auf ungefähr 4.600 Metern und ist einer der zentralen „climb high, sleep low“-Punkte der Lemosho Route: Wir verbringen Zeit deutlich höher als unsere spätere Schlafhöhe und steigen danach wieder ab. Mein GPS zeigt am höchsten Punkt 4.651 Meter.

Das Barranco Camp liegt am Fuß der berühmten Barranco Wall auf etwa 3.960 bis 3.980 Metern. Es ist ein größeres Zeltcamp, weil hier mehrere Routen beziehungsweise Gruppen zusammenkommen. Es gibt eine Rangerhütte und einfache öffentliche Sanitäranlagen; geschlafen wird in Zelten. Wasser wird aus dem Tal beziehungsweise aus einem nahe gelegenen Wasserlauf gewonnen und von der Crew ins Camp gebracht und aufbereitet.

Die Lage ist spektakulär. Direkt über dem Camp steht die Barranco Wall. Von vorne wirkt sie wie eine massive Wand und damit ziemlich genau wie das, wovor ich mit meiner Höhenangst Respekt habe. Interessanterweise sieht sie von der Seite, aus der wir uns nähern, wesentlich harmloser aus – eher wie ein sehr steiler Trail. Das beruhigt mich zumindest ein wenig.

Mein Recap zur Strecke

Landschaftlich ist das für mich bislang einer der besten Tage. Die Strecke zeigt auf wenigen Kilometern fast den gesamten Übergang vom Moorland in die karge alpine Wüste und wieder zurück in vegetationsreicheres Gelände. Gleichzeitig ist sie lang: Knapp neun Stunden Aufzeichnungszeit und über 2.100 von Garmin geschätzte Kilokalorien sind ein deutlicher Sprung gegenüber den ersten Tagen.

Mit Michi und Andrea funktioniert das gemeinsame Laufen und Unterhalten gut. Für mich ist Ablenkung durch Unterhaltung gerade auf langen, anstrengenden Etappen eher hilfreich. Das kenne ich schon aus den Extremwanderungen.

Ich fotografiere und filme weiterhin viel, allerdings meistens im Vorbeigehen. Ich möchte die Gruppe nicht aufhalten, deshalb drücke ich oft einfach auf den Auslöser und hoffe, dass später etwas Brauchbares dabei ist. Das produziert vermutlich viel Ausschuss, aber gleichzeitig auch eine sehr unmittelbare Dokumentation der Tour.

Gesundheitsauswertung

Der Aufstieg zum Lava Tower funktioniert zunächst überraschend gut. Erst direkt am beziehungsweise rund um den höchsten Punkt bekomme ich deutlich stärkere Kopfschmerzen. Ich nehme Tomapyrin und hoffe, dass sie mit dem Abstieg wieder verschwinden. Der Weg nach unten ist dadurch unangenehmer, weil sich zur körperlichen Belastung auch das Gefühl gesellt, weniger konzentriert zu sein. Gerade auf steilen, unebenen Passagen ist das keine gute Kombination.

Am Abend liegt der Garmin-Tageswert der Sauerstoffsättigung bei 84 Prozent auf etwa 3.958 Metern. Nach den 82 Prozent am Vortag ist das zumindest kein weiterer Abfall. Auch meine Atemfrequenz ist inzwischen deutlich erhöht; in meiner Aufzeichnung notiere ich ungefähr 22 Atemzüge pro Minute. Beim Sprechen merke ich sehr deutlich, wie viel öfter ich Luft holen muss.

Garmin zeigt mir zusätzlich eine eigene Höhenakklimatisierungsbewertung an, die ungefähr 2.150 Meter beziehungsweise 42 Prozent Anpassung an 4.000 Meter ausweist. Ich nehme diese Zahl nicht als medizinische Wahrheit, aber psychologisch beruhigt sie mich. Gleichzeitig ärgert mich, dass die angekündigten regelmäßigen Gesundheitschecks durch die Guides aus meiner Sicht nicht in der erwarteten Form stattfinden. Ich kontrolliere meine Daten selbst, aber natürlich hat nicht jeder eine Uhr dabei oder weiß, wie solche Werte einzuordnen sind.

Heute trinke ich ungefähr fünf Liter. Das führt erwartbar zu vielen Toilettengängen, erscheint mir angesichts der Höhe aber sinnvoll.

Gesundheitsstatistiken Tag 4

Ausrüstung

Das Wetter macht die Kleidungswahl zunehmend kompliziert. Die Nacht davor liegt ungefähr bei minus drei Grad. Morgens steigt die Temperatur schnell auf etwa acht Grad; sobald die Sonne herauskommt, fühlt es sich deutlich wärmer an, und wenn sie wieder verschwindet, wird es sofort kalt. Eine eine komplett „richtige“ Kleidungskombination gibt es damit praktisch nicht.

Für die kommende Barranco Wall plane ich deshalb sehr bewusst: kurzes Thermo-Unterhemd, langes Merino-Oberteil, Fleece, mehrere lange Schichten an den Beinen, Wollmütze und Linerhandschuhe für den kalten Start. Sonnenhut und weitere leichtere Optionen kommen griffbereit in den Tagesrucksack. Die Wall liegt morgens lange im Schatten, später wartet wieder starke Sonne.

Zwei weitere Ausrüstungsdetails werden heute überraschend wichtig. Erstens: Feuchttücher. Das tägliche Waschen mit einer Schüssel Wasser funktioniert zwar grundsätzlich, aber in dem feinen Staub hat man schnell das Gefühl, den Dreck eher zu verteilen als zu entfernen. Zweitens: Strom. Ich habe vier Powerbanks mit je 10.000 mAh und zusätzlich eine mit 20.000 mAh dabei und dachte vor der Tour, dass 60.000 mAh völlig überdimensioniert seien. Inzwischen sieht es so aus, als könnte das gerade so für Smartphone, Garmin, Foto und Video über die gesamte Tour reichen.

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