Kilimanjaro – Tag 2: Steil hinauf zum Shira 1 Camp

Der Regenwald bleibt zurück, die Landschaft öffnet sich und der Berg zeigt erstmals, wie steil die Lemosho Route werden kann. Fast 1.000 Höhenmeter Aufstieg, starke Sonne und eine Crew von rund zwanzig Menschen prägen meinen zweiten Tag.

Kilimanjaro – Tag 2: Steil hinauf zum Shira 1 Camp
Blick vom Shira 1 Camp auf den Kilimanjaro

Überblick

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Flyover über Etappe 2 auf der Lemosho Route

  • Datum: 20. Juli 2026
  • Route: Mti Mkubwa → Shira 1 Camp
  • Strecke: 9,40 km
  • Höhenmeter: ↑ 936 Hm · ↓ 214 Hm
  • Aufzeichnungsdauer: 6:01 h
  • Garmin-Energieverbrauch: 1.709 kcal
  • Höhe:
    • Start 2.794 m
    • höchster Punkt 3.546 m
    • Ziel Shira 1 Camp: ca. 3.510 m
  • Steigung bergauf: Ø 12,1 % / max. 37,6 % über 50-m-Fenster
  • Gefälle bergab: Ø 7,0 % / max. 28,6 % über 50-m-Fenster
  • Herzfrequenz: Ø 119 / max. 153 bpm
  • Temperatur am Rucksack-Sensor: 8–23 °C
  • Pulse Ox / SpO₂: 85 % bei 3.487 m

Strecke und Landschaft

Heute verändert sich die Tour grundlegend. Wir starten noch im Wald, er ist wunderschön und verwunschen.

Aber schon bald verlassen wir die geschützte Regenwaldzone und kommen in das offene Heide- und Moorland auf dem westlichen Kilimanjaro. Der Blick wird weiter, die Bäume verschwinden nach und nach, stattdessen dominieren Gräser, Heide, niedrige Büsche und vulkanische Felsen. Zum ersten Mal bekommt der Berg diese weite, offene Hochlandwirkung, die ich vorher aus Bildern kenne.

Die Etappe ist deutlich anspruchsvoller als der erste Tag. Garmin summiert 9,40 Kilometer, 936 Höhenmeter Aufstieg und 214 Höhenmeter Abstieg. Das bedeutet, dass es eben nicht einfach nur knapp 700 Nettohöhenmeter nach oben geht. Der Weg steigt kräftig an, fällt wieder ab und zwingt mich danach erneut zum Hochsteigen. Die durchschnittliche Steigung der ansteigenden 50-Meter-Abschnitte liegt bei rund zwölf Prozent, die steilste solche Passage bei fast 38 Prozent. Genau diese Wechsel unterschätzte ich bei der Vorbereitung anfangs deutlich.

Ein steiler Tag und doch noch ein Vorgeschmack auf was noch kommt

Hier zahlt sich mein Treppen- und Steppertraining deutlich aus. Die Belastung ähnelt viel stärker den langen, wiederholten Anstiegen aus dem Training als einer normalen Wanderung mit gleichmäßiger Steigung. Gleichzeitig merke ich, wie sinnvoll es ist, das Tempo konsequent niedrig zu halten.

Höhenprofil Tag 2

Immer weiter nach oben geht es, und scheinbar nimmt der Aufstieg kein Ende, bis wir um eine Ecke biegen und sich ein unglaublicher Blick auf das Shira-Plateu und den Gipfel auftut.

Der erste Blick über das Plateau und auf den Gipfel

Zum ersten Mal seit der Ankunft am Berg sehen wir ihn in voller Pracht und werden ihn die kommenden Tage nicht mehr aus den Augen verlieren.

Ziel: Shira 1 Camp

Shira 1 liegt auf dem westlichen Teil des Shira Plateaus auf rund 3.500 Metern. Das Camp ist deutlich offener und windanfälliger als Mti Mkubwa.

Angekommen am Shira 1 Camp

Es gibt keine Schlafhütten, sondern ausschließlich Zeltplätze, dazu eine Rangerhütte und einfache Latrinen. Eine feste Wasserversorgung gibt es nicht; die Crew versorgt uns aus einer Wasserstelle neben dem Camp und bereitet das Wasser entsprechend auf.

Der Unterschied zum Waldcamp ist sofort spürbar. Hier oben fehlt der Schutz der Bäume.

Sonne und Wind treffen das Camp unmittelbar, und sobald die Sonne verschwindet, fällt die gefühlte Temperatur sehr schnell. Am Nachmittag sind noch Temperaturen um die niedrigen Zwanziger möglich, am Abend wird es innerhalb kurzer Zeit bitterkalt. Gegen 19 Uhr ist es bereits stockdunkel, und für die Nacht erwarten wir mehrere Minusgrade.

Das Camp ist außerdem der Ort, an dem sich die gesamte Crew offiziell vorstellt. Plötzlich stehen ungefähr zwanzig Menschen vor uns, die dafür arbeiten, dass wir vier Gäste den Berg hochkommen: zwei Guides, ein Koch, ein Ersthelfer und eine ganze Reihe Porter.

Ein unglaubliches Team, 20 starke Menschen, ohne die all dies nicht möglich gewesen wäre

Wir, die vier „Plattfuß-Europäer“, würden ohne diese Unterstützung wahrscheinlich kaum viel weiter, als hierher kommen. Wir singen und klatschen gemeinsam und machen Fotos, und dieser soziale Teil der Tour beeindruckt mich stärker, als ich vorher erwartet habe.

Auch das Essen ist wieder erstaunlich aufwendig. Mittags gibt es Nudeln mit Hühnerflügeln. Abends folgen Suppe, kleine Wraps, Fisch und Bratkartoffeln. Unterwegs baut ein Porter sogar einen Tisch auf, an dem wir Tee und Kaffee trinken und Kekse essen können. Mitten in dieser Landschaft wirkt das fast absurd luxuriös.

Mein Recap zur Strecke

Der zweite Tag ist der erste, der mich wirklich fordert. Ich rechne vor der Tour nicht damit, dass die Route so stark zwischen steilen Anstiegen und Gegenanstiegen wechselt. Gleichzeitig funktioniert mein Training genau dort, wo es soll. Die Beine können die Belastung ab, und ich habe nicht das Gefühl, körperlich völlig überfordert zu sein.

Immer wieder Anstiege, immer weiter nach oben

Was mich am Abend fast mehr beschäftigt als die Strecke, ist der Himmel. Hier oben gibt es extrem wenig Lichtverschmutzung. Eigentlich möchte ich noch einmal raus und Sterne fotografieren, entscheide mich aber anfangs dagegen, weil ich nach dem langen Tag nicht noch einmal komplett auskühlen möchte. Einmal richtig kalt geworden, ist es im Zelt erstaunlich schwer, wieder warm zu werden. Die Gelegenheit für Astrofotografie lass ich mir dann aber letztendlich doch nicht nehmen, ... zum Glück!

Was für ein Sternenhimmel

Gesundheitsauswertung

Die Höhe wird jetzt deutlich messbar. Mein Ruhepuls liegt am Abend ungefähr bei 95 Schlägen pro Minute, also deutlich höher als zu Hause. Der belastbarere Garmin-Tageswert für die Sauerstoffsättigung liegt auf rund 3.500 Metern bei 85 Prozent. Damit setzt sich der erwartbare Trend fort: Mit zunehmender Höhe sinkt die gemessene SpO₂, während der Körper unter anderem mit höherem Puls und stärkerer Atmung reagiert.

Während der Aktivität liegt mein Puls im Mittel bei 119 und maximal bei 153 Schlägen pro Minute. Das ist für eine sechs Stunden lange Etappe mit fast 1.000 Höhenmetern zunächst plausibel. Subjektiv geht es mir weiterhin gut genug, dass die Höhe noch nicht das zentrale Problem ist. Sie ist aber definitiv angekommen.

Das andere gesundheitliche Thema ist die Sonne. Obwohl ich einen Sonnenhut, Sonnenbrille, lange Hosen und Lichtschutzfaktor 50 nutze und nachcreme, habe ich am Abend das Gefühl, mir den Nacken verbrannt zu haben. Die Luft ist kühl genug, dass die Intensität der Sonne nicht automatisch auffällt. Genau das macht sie gefährlich: Man fühlt sich nicht wie an einem heißen Strandtag, bekommt aber deutlich mehr UV-Strahlung ab.

Gesundheitsstatistiken Tag 2

Ausrüstung

An den Beinen bleibt meine Kombination aus Lauf-Leggings und kurzer Wanderhose erstaunlich angenehm. Sie ist weder zu warm noch zu kalt und reduziert gleichzeitig die Fläche, die ich eincremen muss. Morgens trage ich am Oberkörper zunächst noch die Fleecejacke, ziehe sie aber aus, sobald die Sonne Wärme bringt. Dazu kommen Sonnenhut und Kategorie-4-Brille.

Der wichtigste Ausrüstungspunkt ist heute weniger ein einzelnes Produkt als das Temperaturmanagement. Im offenen Gelände wechselt das Gefühl sehr schnell zwischen warm in der Sonne und kalt im Schatten oder Wind. Ich beginne zu verstehen, dass ich nicht einfach „warm“ oder „leicht“ angezogen sein kann, sondern ständig anpassen muss.

Und der Nacken zeigt mir, dass der Sonnenhut allein nicht reicht. Wenn ich bergauf leicht nach vorn gebeugt laufe, liegt der Nacken teilweise frei. Ein Buff wird deshalb in den nächsten Tagen zu einem sehr sinnvollen zusätzlichen Sonnenschutz.

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